Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich einmal meine eigene Seifenmanufaktur gründe, hätte ich demjenigen wahrscheinlich erst einmal einen Vogel gezeigt. Denn damals war mir das Seifensieden noch komplett unbekannt.

Angefangen hat es ja ursprünglich mit einem Gespräch zwischen einer Freundin und mir über das Thema Mikroplastik. Zu dieser Zeit haben wir beide einen Bericht gesehen, in dem aufgezeigt wurde, wie viel Mikroplastik ein Mensch pro Woche zu sich nimmt. Und wir sind wirklich erschrocken, wie viel das tatsächlich ist: zu diesem Zeitpunkt nahmen wir pro Woche ca. 5g Mikroplast zu uns; das ist die Größe einer Kreditkarte!

Dieser Bericht hat mich dazu bewogen, mich und mein Kaufverhalten zu beobachten und in Frage zu stellen. Angefangen über Getränke in Plastikflaschen, Umverpackungen beim Gemüse und letztendlich auch im Badezimmer bei der Flüssigseife und dem Duschgel. Und ich habe angefangen, Stück für Stück umzustellen; auf Glasflaschen, loses Gemüse und eben feste Seife.

Anfangs habe ich mir noch feste Seife im Internet bestellt oder bin kilometerweit gefahren, um von meinem Händler des Vertrauens Seife zu kaufen. Aber das hat mir nicht gereicht; ich wollte wissen, wie man das selbst machen kann. Also habe ich angefangen, im Internet ein bisschen zu recherchieren und zu experimentieren, was natürlich grandios in die Hose ging. Durch Zufall bin ich irgendwann über eine Facebook-Anzeige für einen Online-Kurs von Jessica Maas gestolpert und hab mich dafür angemeldet.

In diesem Kurs hat Jessica ihren Teilnehmern erklärt, wie Seife sieden funktioniert; angefangen von den Zutaten bis hin über die Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit der Lauge und zu guter Letzt eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, sodass auch wirklich nichts schief gehen kann. Ich bin also losgegangen und habe mir erst einmal alle Zutaten geholt. Und dann stand ich irgendwann in der Küche und habe angefangen und war echt skeptisch, ob das so funktioniert wie Jessica das beschrieben hat. Was soll ich sagen: es hat wirklich geklappt!!! Ich habe meine erste eigene Seife gesiedet und war so stolz auf mich. Das war am 27. Februar 2024. Schon damals hatte ich prophezeit, dass das nicht meine letzte Seife ist.

Mich hat diese Thematik so fasziniert und auch begeistert, dass ich mich über kurz oder lang bei Jessicas Lernplattform, der Seifenoper, angemeldet habe. Ich wollte mehr über die Kunst des Seife siedens lernen und habe mich Stück für Stück durch die Lernplattform gearbeitet und so innerhalb von nur drei Monaten über 20 Blöcke Seife gemacht. Davon sind ein paar auch leider nichts geworden. Ein Parfümöl hat mir einen sog. „Blitzbeton“ beschert und meine erste Ziegenmilch-Honig-Seife hatte „Laugennester“. Aber ich habe nicht aufgegeben und es wieder und wieder versucht; so lange, bis es dann geklappt hat.

Und ich habe gemerkt, dass das Seife sieden auch wie eine Therapie für mich geworden ist. Wenn ich in der Küche stehe und anfange alles vorzubereiten, muss ich den Kopf aus machen und darf nur noch im hier und jetzt sein, muss konzentriert arbeiten, sodass auch nichts schief gehen kann. Wiegefehler o.ä. verzeiht einem die Seife nicht, da wird sie unbrauchbar und die ganze Arbeit war umsonst. Das Ganze hat mich oft aus einem Tief herausgeholt und mir geholfen, wieder ich selbst zu werden.

Irgendwann kam ich auch beruflich an einen Wendepunkt. Das, was ich vorher gemacht habe, hat mich nicht mehr erfüllt und ich musste überlegen, wie es mit mir weiter gehen soll. Ich war 30 Jahre lang im Büro tätig und habe noch ca. 20 Jahre Arbeit vor mir. Aber ich konnte mir nicht mehr vorstellen, diese 20 Jahre weiterhin in einem Büro zu verbringen. Ich brauchte etwas, in dem ich mich mehr sehe; etwas, was mir auch in Zukunft noch Spaß macht. Genau in dieser Zeit eröffnete Jessica eine neue Runde ihres Programms „Shooting-Star“ und ich fing an, zu überlegen…

Kurz zur Info: der „Shooting-Star“ ist für diejenigen, die das Seife sieden gewerblich machen möchten. In diesem Programm zeigt Jessica, was es alles zu beachten und einzuhalten gibt, um seine Seifen offiziell verkaufen zu dürfen und sich damit selbständig zu machen.

Ich habe mir dann selbst ein bisschen Bedenkzeit gegeben, da das schon ein großer Schritt ist; raus aus dem Angestelltenverhältnis und rein in die Selbständigkeit. Aber mir war hier schon klar: wenn ich das machen möchte, dann richtig; keine halben Sachen, sondern dann alles auf eine Karte setzen und machen. Irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich das mit meinem Mann besprochen habe. Ein bisschen Angst vor seiner Reaktion hatte ich schon. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit war seine Antwort nur: „Schaffe die Voraussetzungen und dann mach!“. Das war alles, was ich hören wollte und gebraucht habe. Ich habe mich mit Jessica in Verbindung gesetzt und mich für den Shooting-Star angemeldet und im gleichen Atemzug bin ich losgegangen und habe mich um die Küche gekümmert.

Gerade die Küche ist das Wichtigste, ohne die funktioniert das ganze Vorhaben nicht. Ich bin also auf meine Schwester und meinen Schwager zugegangen und habe angefragt, ob denn die Möglichkeit besteht, ihre bereits bestehende Küche mit zu nutzen!? Die beiden betreiben bei uns im Ort eine Grillschule; sie haben also eine voll ausgestattete, lebensmitteltaugliche Küche. Ein bisschen Bedenken hatte mein Schwager zwar schon, aber er hat dem Ganzen trotzdem zugestimmt. Wir haben dann das Ordnungsamt mit ins Boot geholt und die haben sich die Küche sowie die dazugehörigen Unterlagen, wie z.B. Hygieneplan, Arbeitsplan usw., angeschaut und dem ganzen zugestimmt. Der Grundstein war somit gelegt und ich konnte loslegen!

Durch Jessica wusste ich, worauf ich mich eingelassen habe und ich habe mich Schritt für Schritt voran gearbeitet; mein Gewerbe angemeldet, die Küche eintragen lassen, die rechtlichen Vorgaben erfüllt, die ersten Zutaten für die Seifen eingekauft, Seife gesiedet, die Sicherheitsberichte für die Seifen in Auftrag gegeben, Banderolen entworfen, eine Webseite inkl. Online-Shop erstellt und und und. Es war ein großes Stück Arbeit, bis ich alles soweit fertig hatte um mein erstes Stück Seife verkaufen zu können. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Ich bin nach wie vor mit Leidenschaft und Herzblut dabei und dadurch gehe ich auch nicht in die Arbeit, sondern habe Spaß an dem was ich mache. In der Küche zu stehen und Seife zu sieden erfüllt mich nach wie vor. Genauso schön ist es für mich auf Märkten zu stehen und meinen Kunden ein Stück Seife zu verkaufen. Meine Kunden kaufen aber nicht nur ein Stück Seife bei mir, sondern auch ein Stückchen Lebensgefühl! Denn genau das ist mein Ziel: Menschen mit meinen Produkten jeden Tag einen kleinen Moment der Freude und des Wohlbefindens zu schenken.